Ein Forschungsprojekt der Technischen Universität Hamburg (TUHH) und des Ingenieurdienstleisters TECCON Consulting & Engineering arbeitet an einer neuen Lösung für die energetische Gebäudesanierung: Dämmplatten für Fassaden sollen künftig direkt auf der Baustelle per 3D-Druck hergestellt werden. Ziel ist ein Verfahren, das die Montage vereinfacht, Material präziser einsetzt und den Personalbedarf auf der Baustelle senken kann.
Im Zentrum des Ansatzes steht die Idee, passgenaue Dämmelemente nicht mehr ausschließlich industriell vorzufertigen, sondern objektspezifisch und unmittelbar vor Ort zu produzieren. Nach Angaben der Projektpartner sollen die Elemente so ausgelegt werden, dass sie einfacher zu handhaben sind und mit deutlich weniger Arbeitskräften montiert werden können als herkömmliche Systeme. Das wäre vor allem vor dem Hintergrund des anhaltenden Fachkräftemangels im Baugewerbe relevant: Laut Institut der deutschen Wirtschaft blieben 2024 in der Branche rund 41.300 Stellen rechnerisch unbesetzt.
Technisch setzt das Vorhaben auf additiv gefertigte Fassadenelemente, die sich an individuelle Gebäudegeometrien anpassen lassen. Dadurch sollen Verschnitt, Materialverluste und Schwachstellen an Stoßfugen reduziert werden. Parallel verfolgt das Projekt das Ziel, nachhaltige und kreislauffähige Materialien einzusetzen. Genannt werden unter anderem natürliche Rohstoffe wie Hanf oder Stroh sowie Konzepte für eine vollständige Rezyklierbarkeit der eingesetzten Dämmstrukturen.
Die Machbarkeitsstudie wurde 2025 mit Unterstützung der IFB Hamburg durchgeführt. Nach Angaben der beteiligten Institutionen wurde das Vorhaben im Programm PROFI Umwelt mit 128.000 Euro gefördert. Die bisherigen Ergebnisse werden als vielversprechend beschrieben. Ein Folgeprojekt zur weiteren Vertiefung und Vorbereitung konkreter Anwendungen befindet sich bereits in der Antragsphase.
Zu den in Aussicht gestellten Vorteilen zählen neben einer vereinfachten Montage auch ökologische Effekte. So sehen die Projektbeteiligten das Potenzial, gegenüber herkömmlicher EPS-Fassadendämmung den CO₂-Ausstoß deutlich zu senken. Gleichzeitig machen die Quellen klar, dass der Weg zur Marktreife noch mit technischen und regulatorischen Anforderungen verbunden ist, insbesondere bei Zulassung, Zertifizierung und Brandschutz.
Nach aktuellem Stand könnten erste Anwendungen zunächst bei Einfamilienhäusern und kleineren Objekten erprobt werden. Damit zeichnet sich ein Entwicklungsansatz ab, der energetische Sanierung, Ressourceneffizienz und die Entlastung knapper Fachkräfte in einem Verfahren zusammenführen könnte.